Sporadische Kursangebote dieser Art waren auf großes Interesse gestoßen und so hatte sich schon eine längere Warteliste von Interessenten gebildet.
Um diese nun effizient bedienen zu können, haben Jörg und Tom letzten Februar ihre Kompetenzen gebündelt und ein Angebot maßgeschneidert. Ziel war es, einerseits einen guten Betreuungsschlüssel zu bieten, andererseits gleich zwölf Menschen auszubilden. Auch wollten wir früh im Jahr starten, um mit der „Laborausbildung“ vor die Outdoor-Saison zu kommen.
Die Lösung war ein Doppelkurs mit 2x 6 Teilnehmenden. Eine Anmeldevoraussetzung war, dass jede/r Teilnehmende bereits in der einfachen Seillänge am Naturfels Erfahrungen gesammelt hatte. Dabei zeigte sich, dass insbesondere bei den Techniken zum Herunterkommen vom Fels die Vorkenntnisse unterschiedlich ausgeprägt waren – die einen hatten schon abgeseilt, die anderen schon gefädelt und manche natürlich auch beides.
Wir begannen in der Wochenmitte mit einem gemeinsamen abendlichen Web-Seminar, um wichtige theoretische Inhalte mit anschaulicher Folienpräsentation zu vermitteln.
Am Sonntag ging es für alle 12 ganztägig in den Hüttenweg, um die Einzelelemente der Seiltechniken kennenzulernen und zu üben. Hier zeigte sich der Vorteil des Doppelkurses, weil die Kandidaten individuell wählen konnten, welche der Techniken des Abseilens und des Fädelns sie als volle methodische Übungsreihe kennenlernen wollten, um die jeweils andere Technik dann in einer Auffrischrunde zu wiederholen und dem aktuellen Stand der Lehrmeinung anzupassen.
Die ersten Standplätze wurden gebaut und die Prozedur des Vorstiegs und Nachstiegs als „Seilschaft in Aktion“ erprobt.
Für den „Praxistag“, wiederum 8 Stunden, teilte sich die Gruppe dann in die beiden Einzelkurse, so dass wir eine Betreuung im Verhältnis 6:2 anbieten konnten.
Wir hatten uns bei der Planung für eine Indoor-Situation im Southrock Marienfelde entschieden – und das eisige Wetter gab uns recht. Da es dort nur einen „fertigen“ Standplatz gibt, das kleine „Schwalbennest“ links vorn, bauten wir an der Plattenwand drei weitere Übungsstellen auf und benötigten in der Wandmitte einen weiteren Haken. Grifflöcher sind ja reichlich vorhanden und für Übungen am Boden mit statischer Belastung auch geeignet. Für den Standplatz jedoch nicht – ein Sicherungpunkt muss nach Kletterwand-Norm 20 kN Sturzbelastung halten, ein Griffloch nur 5 kN (Norm zum Zeitpunkt des Southrock-Baus.
Inzwischen 7,2 kN.) eines auf einem Griff herumhüpfenden Menschens. Den Southrock kaputtmachen wollten wir natürlich auch nicht.
Somit definierten wir das Schraubglied einer Hallen-Exe zum „soliden Fixpunkt“, das dazugeschraubte Bohrhakenplättchen hingegen zum „fraglichen“, der in der Reihenschaltung eingebunden aber nicht lasttragend verspannt wird. Für die sicherlich eher theoretische Situation, dass der untere Fixpunkt in der Halle versagt und dann noch das Griffloch ausbricht, hatten wir den oberen Fixpunkt noch mit einer Bandschlinge am nächsthöheren soliden Punkt hintersichert.
Nun wurde munter geübt, am Vormittag am Einfachseil das Nachholen mit HMS, am Nachmittag dann mit Halbseilen und dem Alpintuber in Guide-Stellung. Dank an dieser Stelle an die Sektionsjugend, dass wir uns ein JDAV-Halbseilpaar zum Üben ausleihen durften!
Die beiden Trainer (Pronomen: er+er) konnten Hilfestellung geben und kritische Fehler verhindern – vom Boden, von der Treppe und selbst am Fixseil zwischen den Standplätzen hängend. Der Betreuungsschlüssel hat prima funktioniert – wir hätten keinen Trainer weniger und keinen Teilnehmenden mehr haben wollen.