AlpinClub Berlin | © Mehrseillängen-Vorbereitung indoor

Mehrseillängen in Berlin?

Kann man sich in Berlin auf Mehrseillängen-Touren vorbereiten?

26.04.2026

Die Nachfrage nach dem Klettern von Mehrseillängen (MSL) steigt und mithin auch der Bedarf, sich mit den notwendigen Seiltechniken schon vor der Ausbildungstour, also niederschwellig hier in Berlin, vertraut zu machen.

Es gibt aktuell freie Kursplätze im Juni!

Sporadische Kursangebote dieser Art waren auf großes Interesse gestoßen und so hatte sich schon eine längere Warteliste von Interessenten gebildet. 

Um diese nun effizient bedienen zu können, haben Jörg und Tom letzten Februar ihre Kompetenzen gebündelt und ein Angebot maßgeschneidert. Ziel war es, einerseits einen guten Betreuungsschlüssel zu bieten, andererseits gleich zwölf Menschen auszubilden. Auch wollten wir früh im Jahr starten, um mit der „Laborausbildung“ vor die Outdoor-Saison zu kommen. 

Die Lösung war ein Doppelkurs mit 2x 6 Teilnehmenden. Eine Anmeldevoraussetzung war, dass jede/r Teilnehmende bereits in der einfachen Seillänge am Naturfels Erfahrungen gesammelt hatte. Dabei zeigte sich, dass insbesondere bei den Techniken zum Herunterkommen vom Fels die Vorkenntnisse unterschiedlich ausgeprägt waren – die einen hatten schon abgeseilt, die anderen schon gefädelt und manche natürlich auch beides. 

Wir begannen in der Wochenmitte mit einem gemeinsamen abendlichen Web-Seminar, um wichtige theoretische Inhalte mit anschaulicher Folienpräsentation zu vermitteln. 

Am Sonntag ging es für alle 12 ganztägig in den Hüttenweg, um die Einzelelemente der Seiltechniken kennenzulernen und zu üben. Hier zeigte sich der Vorteil des Doppelkurses, weil die Kandidaten individuell wählen konnten, welche der Techniken des Abseilens und des Fädelns sie als volle methodische Übungsreihe kennenlernen wollten, um die jeweils andere Technik dann in einer Auffrischrunde zu wiederholen und dem aktuellen Stand der Lehrmeinung anzupassen. 

Die ersten Standplätze wurden gebaut und die Prozedur des Vorstiegs und Nachstiegs als „Seilschaft in Aktion“ erprobt.

Für den „Praxistag“, wiederum 8 Stunden, teilte sich die Gruppe dann in die beiden Einzelkurse, so dass wir eine Betreuung im Verhältnis 6:2 anbieten konnten. 

Wir hatten uns bei der Planung für eine Indoor-Situation im Southrock Marienfelde entschieden – und das eisige Wetter gab uns recht. Da es dort nur einen „fertigen“ Standplatz gibt, das kleine „Schwalbennest“ links vorn, bauten wir an der Plattenwand drei weitere Übungsstellen auf und benötigten in der Wandmitte einen weiteren Haken. Grifflöcher sind ja reichlich vorhanden und für Übungen am Boden mit statischer Belastung auch geeignet. Für den Standplatz jedoch nicht – ein Sicherungpunkt muss nach Kletterwand-Norm 20 kN Sturzbelastung halten, ein Griffloch nur 5 kN (Norm zum Zeitpunkt des Southrock-Baus. 
Inzwischen 7,2 kN.) eines auf einem Griff herumhüpfenden Menschens. Den Southrock kaputtmachen wollten wir natürlich auch nicht.

Somit definierten wir das Schraubglied einer Hallen-Exe zum „soliden Fixpunkt“, das dazugeschraubte Bohrhakenplättchen hingegen zum „fraglichen“, der in der Reihenschaltung eingebunden aber nicht lasttragend verspannt wird. Für die sicherlich eher theoretische Situation, dass der untere Fixpunkt in der Halle versagt und dann noch das Griffloch ausbricht, hatten wir den oberen Fixpunkt noch mit einer Bandschlinge am nächsthöheren soliden Punkt hintersichert.

Nun wurde munter geübt, am Vormittag am Einfachseil das Nachholen mit HMS, am Nachmittag dann mit Halbseilen und dem Alpintuber in Guide-Stellung. Dank an dieser Stelle an die Sektionsjugend, dass wir uns ein JDAV-Halbseilpaar zum Üben ausleihen durften!

Die beiden Trainer (Pronomen: er+er) konnten Hilfestellung geben und kritische Fehler verhindern – vom Boden, von der Treppe und selbst am Fixseil zwischen den Standplätzen hängend. Der Betreuungsschlüssel hat prima funktioniert – wir hätten keinen Trainer weniger und keinen Teilnehmenden mehr haben wollen.

Die Sicherheit nicht unmittelbar gefährdende Fehler durften auch ausprobiert werden, z.B. was passiert wenn ich ein Seilbündel an der Wand heruntergleiten lasse. Das Ergebnis des verhängten Seiles war eindrucksvoll zu sehen (Foto), auch wenn im Southrock die Felszacken durch die flaschenförmigen Klettergriffe eines Limonadenherstellers simuliert waren.

So ging der Kurs produktiv zu Ende, und wir freuten uns über das ausnahmslos positive Feedback unserer Felsinteressenten. Wir hätten noch etliche potentielle Themen auf der Liste gehabt, denken aber nun ein Format gefunden zu haben, welches den Teilnehmenden ausreichend Übungszeit für die MSL-Erst-erfahrung bietet. Aufbauende Kurse wollen ja auch noch Themen haben und wir sehen die ersten Anmeldungen für Ausbildungsfahrten schon in der Programmredaktion eintrudeln. 

Das ist auch der richtige Weg, dieser Kurs unter „Laborbedingungen“ soll mit den Seiltechniken vertraut machen und kann die Praxis am Fels unter Anleitung einer Ausbilderin (w/d/m) nicht ersetzen!

Dank an den Southrock für die Übungsstellen sowie an unsere „Versuchskaninch:innen“ im neuen Kursformat.

 Text und Fotos: Tom

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mit voriger Felserfahrung:

G99010 Mehrseillängen - Technische Vorbereitung

3 Termine: Webinar + 2x 8 h Praxis
für Mitgliederchen mit Vorstiegserfahrung am Naturfels (Fortgeschrittene)

Seiltechniken bei Mehrseillängen: Reihenschaltung mit weichem Auge, Nachstieg und Vorstieg sichern mit HMS, selbst Abseilen, Nachstieg sichern mit AlpinTuber, Reihenschaltung mit Seil und hartes Auge, Ablassen mit HMS oder vorgefädeltem Alpintube, Fixpunkttheorie und Materialkunde.

ohne vorige Felserfahrung:

G99003 Felsklettern - Technische Vorbereitung

2 Termine je 4 h, für Mitgliederchen mit Vorstiegserfahrung

Seiltechniken am Fels: HMS, Abseilen mit Acht und Tuber, Umbau / Fädeln am großen und kleinen Ring, einfacher Stand, Sichern von oben / Nachholen, Besonderheiten Vorstieg Fels, Materialkunde. Vorbereitung zum DAV-Outdoorkletterschein.